Landesverband Bayern

Über Schubkarrenrennen und verliebt Treckerfahren (Teil 1)

Datum: Sonntag, 14. Februar 2010

 

Matthias Stührwoldt ist Bauer, Autor und MR-Mitglied. Der „Wollmützenmann“ erzählt und schreibt Kurzgeschichten über verliebt Treckerfahren und Schubkarrenrennen. Seine „frischen Texte ab Hof“ folgen dem Motto "Nützt ja nix", das norddeutsche "take it easy".

 

„Wenn ich nicht das große Glück gehabt hätte, als Hofnachfolger den Betrieb meiner Eltern zu übernehmen, wäre ich Buchautor im Hauptberuf geworden. So beschreibt der Biobauer aus Stolpe in Schleswig-Holstein zwei Herzen, die in seiner Brust schlagen – für die Landwirtschaft und für das Schreiben. „Manchmal spreche ich mit Bauern, die seit 20 Jahren kein Buch mehr gelesen haben. Wenn sich so ein Nichtleser schon auf mein nächstes Buch freut, weil er alle anderen schon gelesen hat, das ist für mich das Größte.“
 
„Bäuerliche Badezimmer“ - eine Feldstudie
Im eigenen Badezimmer nahm die Studie ihren Anfang. Ein Freund im Partyrausch meinte, er habe noch nie ein so geschmackvoll eingerichtetes Badezimmer in einem Bauernhaus gesehen. Ungläubig sah der Hausherr selbst noch einmal nach: weiße Kacheln, eine blau lasierte Wand, ein in zarten Strichen angedeuteter Akt, ein schwedischer Design-Tampon-Spender, eine Bildplatte der Beatles „Abbey Road“, Werner Comics, die Bauernstimme, einige Pflanzen und Bücher – alles war wie immer. In den nächsten Monaten folgten heimliche Feldstudien mit einer Polaroid-Kamera und die brachten ein erstaunliches Ergebnis: „Das bäuerliche Badezimmer ist besser als sein Ruf“. Zwar dominierten immer noch die Kachelfarben „Kuhschiet-Braun“ und „Mais-Grün“ durchsetzt mit Motivkacheln von Rohrkolben, fliegenden Enten und herbstlichen Bäumen. Aber so schlimm wie in Detlef Bucks unvergessener Filmszene – von Fliegen umschwärmt, den Misthaufen im Blick - sei es schon lange nicht mehr. Nach der Veröffentlichung seiner „Badezimmer-Studien“ hätte man ihn auf die Frage, wo denn die Toilette sei, oft zum Misthaufen geschickt.
 
„Ein Gedicht ist wie Musik“
„Meine Gedichte müssen gut klingen, müssen wie Musik in den Ohren sein.“ Schon im Deutsch-Leistungskurs habe er damals viel über Versmaß, Jambus, Trochäus und Hexameter gelernt. „Meine Gedichte schreibe ich aber aus dem Bauch heraus. Das wichtigste ist, dass sie gut klingen und den Leser in eine Stimmung, in ein Gefühl entführen.“ In einem Glossar erklärt der bäuerliche Literat auch „Nichtbauern“ und Städtern auf seine Weise, was eine Silozange, ein Totbleiber, ein Unterlenker oder das Güllesylvester ist.
 
 
Matthias Stührwoldt (42) bewirtschaftet mit seiner Familie einen Bioland-Milchviehbetrieb in Stolpe mit 60 Milchkühen. Der Betrieb ist langjähriges Mitglied im Maschinenring Mittelholstein.
Zu seinem neuen Buch „Nützt ja nix“ schreibt der Verlag:
„Der Ausspruch „Nützt ja nix“ ist das norddeutsche „Take it easy“. Der Buchtitel ist das Motto für die Geschichten und Gedichte von Matthias Stührwoldt, in denen es um die schönen und schattigen Seiten des bäuerlichen Lebens geht. In seinen neuen Texten erzählt der Autor von „Verliebt Trecker fahren“ diesmal von dreckigen Engeln, Fußballschuhen, Kuh- und Muttermilch. Auch Nicht-Bauern können sich beim Lesen darin wiederfinden, denn: „Ein Bauernhof ist wie eine ganze Welt, nur viel kleiner.“
(erschienen bei ABL Bauernblatt Verlags-GmbH)
 
 
Bild (oben): Matthias Stührwoldt blickt aus dem Kuhstall auf die A21. Die Kuriosität des 8 km langen Autobahnstücks hat ihn zu einigen Geschichten inspiriert. (Fotos: Buchholtz)
 
Bild (unten): Die Lieblingsliteratur gehört für Matthias Stührwoldt in jedes Badezimmer, z.B. Brösels „Werner“-Comics.