headerimage: 

Landesverband Bayern

40 Tonnen Rüben im Rücken (Teil 1)

Datum: Mittwoch, 20. Mai 2009

Fahrer der TG Ambergau

 

Wenn „Kampagne“ ist, dann rollen die Rüben-LKW von Sonntag bis Samstag rund um die Uhr zwischen Feldrandmieten und Zuckerfabriken. Viele Rübenanbauer sitzen selbst am Steuer der PS-starken 40-Tonner. Insgesamt 215 Fahrer lenken in der Kampagne 25 Sattelzüge der drei Transportgemeinschaften zwischen Hannover und Vorharz. Richard Liebe ist einer von ihnen und gehört mit über 10 Jahren Erfahrung zu den „alten Hasen“ am Steuer.

 

„Im Nachhinein ist es doch immer wieder ein kleines Wunder, wie man den Herbst mit der Rübe übersteht“, denkt Richard Liebe jedes Jahr aufs Neue. Der Rübenanbauer ist Fahrer und technischer Obmann für alle 10 LKW der Transportgemeinschaft Ambergau und koordiniert die Schichtpläne für einen der Sattelzüge mit 7 bis 10 Fahrern. In der Kampagne 2008 rollten die Leichtbaumuldenkipper vom 21.September bis zum 13. Januar. Der Schichtdienst am Steuer kommt für Richard Liebe noch zum Arbeitspensum für seinen Ackerbaubetrieb hinzu. „Besonders wenn der Weizen gedrillt werden muss, wächst mir die Arbeit über den Kopf“, erinnert sich der 53-jährige. Für die Zukunft plant er, zu seiner Entlastung auch das Drillen in eine Maschinengemeinschaft auszulagern.
 
Von Sonntag bis Samstag rund um die Uhr
Für Richard Liebe beginnt die Arbeitswoche schon am Sonntagnachmittag. Jeweils zwei Fahrer waschen und warten dann den LKW für die kommende Woche. Das äußere Erscheinungsbild sei ihm wichtig und bei frostigen Temperaturen verlieren die LKW bis zu 500 kg Ballast, begründet der Obmann die Maßnahme. Dann versucht Richard Liebe vor Beginn der Nachtschicht noch ein paar Stunden zu schlafen, was ihm nicht immer gelingt. Am Sonntagabend gegen 22:00 Uhr rollen die LKW im 10-Minuten-Takt von den Höfen zu den Verladestellen, wo bei Scheinwerferlicht gearbeitet wird. Gegen 22:30 Uhr beginnt die Verladung des ersten LKW, der dann pünktlich um 0:00 Uhr mit der Öffnung der Tore auf dem Rübenhof ankommt.
 
Vier bis fünf Fuhren fährt Richard Liebe in einer 10-Stunden-Schicht. Nach spätestens 4,5 Stunden in der Nachtschicht unterbricht er konsequent die Fahrt, um eine Dreiviertelstunde zu schlafen. Mitten in der Nacht müsse man danach ein paar Runden um den LKW gehen, um wieder fit zu werden, erklärt der Obmann. Die Planung sei so eng, dass sich bei der Verlademaus praktisch keine Pausenzeiten ergeben. Der Rüchenanbauer kennt in jeder Region zwei bis drei Plätze, wo der LKW für die Pause stehen kann und wo nicht schon andere LKW ständig den Platz besetzen. Mehr als drei Nachtschichten in einer Woche können die meisten Rübenanbauer nicht leisten, weil der landwirtschaftliche Betrieb sonst darunter leiden würde.
 
Mehr Wertschöpfung von der Rübe
Der Ackerbaubetrieb Liebe hat seit 1953 seine Rüben nicht mehr selbst gefahren. Anfangs übernahmen LKW einer Spedition die Transporte. Nach der Schließung der nächstgelegenen Zuckerfabrik im Jahr 1991 gründete sich die Transportgemeinschaft Ambergau unter dem Dach des gleichnamigen Maschinenrings. Seitdem ist der Rübentransport in der Börde-Region in bäuerlicher Hand. Die Rübenanbauer profitieren als Gesellschafter durch die zusätzliche Wertschöpfung von der Rübe. Die Fahrerlöhne bleiben in der Region und stärken so den ländlichen Raum. Noch steigt die Tonnage der drei Abfuhrgemeinschaften im Bördegebiet südlich von Hannover von Jahr zu Jahr, so dass die Transporte immer noch kostendeckend sind und einen kleinen Gewinn abwerfen. Allerdings sind die Möglichkeiten zur Optimierung der Transporte weitgehend ausgereizt. Lediglich kleine „Stellschrauben“ bleiben den Logistik-Experten der Maschinenringe.