Das Langstroh könne nach der Ernte kostengünstig mit herkömmlichen Ballenpressen gepresst werden und in der arbeitsarmen Zeit nach Bedarf gemahlen werden, beschreibt Lohnunternehmer und Landwirt Bernd Müller einen Vorteil des neuen Verfahrens. „Die Ballenpressen mit Schneidvorsatz haben eine deutlich geringere Leistung als herkömmliche Pressen und sind in der Saison oft nicht zu bekommen, berichtet MR-Geschäftsführerin Maike Hinsch aus ihrer alltäglichen Vermittlungsarbeit.
Bernd Müller hatte in seinem Lohnunternehmen selbst eine „Fine cut“-Packenpresse testweise im Einsatz. Die Maschine konnte ihn nicht überzeugen, weil sehr hohe Schlepperleistungen notwendig waren und die Messer schnell stumpf wurden.
„Das Stroh wird weich geklopft“
Die Qualität des gemahlenen Strohs sei unbestritten besser, betont Bernd Müller: „Die Halmstücke werden durch 24 rotierende Schlegel regelrecht weich geklopft. Das Material ist nicht so scharfkantig wie beispielsweise geschnittenes Stroh. Die Kuh kann gemahlenes Stroh im Futter nicht mehr aussortieren. Die größere Oberfläche und die zerschlagene Wachsschicht machen das Einstreumaterial saugfähiger.“ Bernd Müller orientiert seine Preisgestaltung an der Packenpresse mit 49 Messer-Schneidwerk. Die Strohmühle soll für seine Kunden Kosten einsparen. Nur dann lohne sich der Systemwechsel, betont Müller.
Günstiger als die Presse mit Häckselvorsatz
Die Packenpresse mit Häckselvorsatz gehöre zu den beliebtesten Verfahren zur Strohzerkleinerung, so die Erfahrung von Maike Hinsch. Trotz des vergleichsweise hohen Preises von etwa 7,20 € je m³ Häckselballen wählen die Landwirte immer wieder die Presse, weil die Qualität überzeugend sei. Rechnet man mit 3,20 € je m³ für das Pressen des Langstrohs und dazu die Kosten für die Strohmühle von ca. 3 € je m³, so beträgt der Preisvorteil rund 1 € je m³. Allerdings wird die Strohmühle nach Einsatzstunden abgerechnet, so dass die Qualität der Zuarbeit durch den Landwirt entscheidend die Kosten des Verfahrens beeinflussen kann.
„Handling“ im Stall aufwändiger
Der Umstieg vom Häcksel-Packen zum gemahlenen Stroh als Einstreumaterial erfordert allerdings eine arbeitswirtschaftliche Umorganisation im Betrieb. Das Material ist lose und muss mit einer Schaufel am Rad- oder Teleskoplader im Betrieb bewegt werden. Rund- oder Quaderballen seien im Stall einfacher zu handhaben, muss auch Bernd Müller zugeben. Aber er setzt ganz auf die Kreativität der Landwirte, die sicher gute Lösungen für ihren Betrieb finden werden, weil das gemahlene Stroh einfach deutlich bessere Eigenschaften habe.

